Glossar
Sicherheitsbestand: Definition, Formel und Beispiel
Der Sicherheitsbestand ist der Bestand, den Sie zusätzlich zur erwarteten Nachfrage halten, damit Ihr Produkt bei einer Absatzspitze oder einer verspäteten Lieferung nicht ausverkauft ist.
Von Berend Vrakking, Gründer von Product Metrics. Aktualisiert 28. Oktober 2026.
Sicherheitsbestand: Formel
Sicherheitsbestand = z × Standardabweichung der täglichen Nachfrage × √Wiederbeschaffungszeit in Tagen
z gehört zum gewählten Servicegrad: 1,645 bei 95 %, 2,326 bei 99 %. Der Servicegrad ist die Wahrscheinlichkeit, einen Bestellzyklus ohne Fehlmenge zu überstehen. Die Formel setzt eine feste Wiederbeschaffungszeit und eine annähernd normalverteilte Nachfrage voraus. Fehlt Ihnen die Absatzhistorie für eine Standardabweichung, nehmen Sie die einfache Methode: höchster Tagesabsatz × längste Wiederbeschaffungszeit − durchschnittlicher Tagesabsatz × durchschnittliche Wiederbeschaffungszeit. Runden Sie das Ergebnis immer auf ganze Stück auf.
Sicherheitsbestand: Rechenbeispiel
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Produkt | Trail Runner |
| Durchschnittlicher Absatz pro Tag | 20 Stück |
| Standardabweichung der täglichen Nachfrage | 6 Stück |
| Durchschnittliche Wiederbeschaffungszeit | 16 Tage |
| z bei einem Servicegrad von 95 % | 1,645 |
| Servicegrad-Methode (1,645 × 6 × √16 = 39,48, aufgerundet) | 40 Stück |
| Höchster Absatz an einem Tag | 30 Stück |
| Längste Wiederbeschaffungszeit | 20 Tage |
| Einfache Methode (30 × 20 − 20 × 16 = 600 − 320) | 280 Stück |
| Gebundenes Kapital bei 45,00 € Einkaufspreis (40 × 45,00 € und 280 × 45,00 €) | 1.800,00 € und 12.600,00 € |
Mit der Servicegrad-Methode halten Sie 40 Stück in Reserve: zwei Tage Absatz (40 ÷ 20). Die einfache Methode kommt auf 280 Stück, vierzehn Tage Absatz, und bindet 10.800,00 € mehr. Sie deckt Ihren stärksten Tag und Ihre langsamste Lieferung zugleich ab, und beides trifft selten zusammen. Beispieldaten.
Servicegrad oder einfache Methode
Die Servicegrad-Methode rechnet damit, wie stark der Absatz von Tag zu Tag schwankt. Sie legen fest, wie oft Sie einen Bestellzyklus ohne Fehlmenge überstehen wollen, und die Formel liefert den passenden Bestand. Bei 95 % gelingt das in etwa 19 von 20 Zyklen.
Die einfache Methode braucht nur Ihren stärksten Tag und Ihre langsamste Lieferung. Sie ist schnell gerechnet, unterstellt aber, dass beides gleichzeitig eintritt, und hält deshalb mehr Bestand als ein Servicegrad von 95 % verlangt. Lesen Sie das Ergebnis als Obergrenze, oder nutzen Sie die Methode, solange die Historie für eine Standardabweichung fehlt.
Eine dritte Faustregel ist eine feste Zahl von Tagen zusätzlicher Reichweite × durchschnittlicher Tagesabsatz. Sie ist leicht zu erklären, berücksichtigt aber nicht, wie unregelmäßig sich ein Produkt verkauft.
Warum ein Puffer für alle Produkte nicht funktioniert
Eine Socke, die 60-mal am Tag verkauft wird, mit einer Standardabweichung von 20 Stück und 9 Tagen Wiederbeschaffungszeit, braucht bei 95 % einen Sicherheitsbestand von 99 Stück (1,645 × 20 × √9 = 98,7, aufgerundet 99). Ein Winterstiefel mit 4 Verkäufen am Tag, einer Standardabweichung von 3 Stück und 36 Tagen Wiederbeschaffungszeit kommt mit 30 Stück aus (1,645 × 3 × √36 = 29,61, aufgerundet 30).
Ein fester Puffer von 40 Stück für jedes Produkt ist für die Socke zu wenig und bindet beim Stiefel 10 Stück zu viel. Auch eine feste Zahl von Tagen passt nicht: Die Socke braucht 1,65 Tage Absatz (99 ÷ 60), der Stiefel 7,5 Tage (30 ÷ 4). Berechnen Sie den Sicherheitsbestand deshalb pro Produkt.
Was ein höherer Servicegrad kostet
Jede Stufe nach oben kostet mehr Bestand als die vorige. Im Beispiel verlangt ein Servicegrad von 99 % einen Sicherheitsbestand von 56 Stück (2,326 × 6 × √16 = 55,82, aufgerundet 56): 16 Stück mehr als bei 95 %, also 720,00 € zusätzlicher Wareneinsatz im Lager, netto ohne Umsatzsteuer.
Stellen Sie diesen Mehrbestand den Kosten einer Fehlmenge gegenüber: dem Deckungsbeitrag der Verkäufe, die Ihnen entgehen, und den Werbekosten, die Sie schon ausgegeben haben, um Besucher zu einem Produkt zu schicken, das nicht lieferbar ist. Ein Produkt mit hoher Marge und langsamem Lieferanten verdient einen höheren Servicegrad als ein günstiges Produkt, das Sie in wenigen Tagen nachbestellen.
Sicherheitsbestand: häufiger Fehler
Zeiteinheiten zu mischen. Eine Standardabweichung pro Woche gehört zu einer Wiederbeschaffungszeit in Wochen, eine Standardabweichung pro Tag zu einer Wiederbeschaffungszeit in Tagen. Wer die Standardabweichung pro Woche mit der Wiederbeschaffungszeit in Tagen kombiniert, erhält einen viel zu hohen Sicherheitsbestand.
Sicherheitsbestand: häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsbestand und Meldebestand?
Ist der Sicherheitsbestand dasselbe wie der Mindestbestand?
Wie ermittelt man die Standardabweichung der Nachfrage?
Welchen Servicegrad sollten Sie wählen?
Nächster Schritt
Berechnen Sie den Sicherheitsbestand zuerst für Ihre meistverkauften Produkte mit der längsten Wiederbeschaffungszeit: Dort kostet eine Fehlmenge am meisten. Der Rechner ist auf Englisch und braucht dieselben Werte wie das Beispiel oben.
- Safety stock calculator (auf Englisch)Berechnet den Sicherheitsbestand mit beiden Methoden, dazu die Reichweite in Tagen und den Meldebestand.
- Inventory Insights (auf Englisch)Zeigt pro Produkt den erwarteten Absatz, die Lieferzeit, den Sicherheitspuffer, die Lagerreichweite und den Bestelltermin, der sich daraus ergibt.
Weiterlesen
- MeldebestandDie Nachfrage während der Wiederbeschaffungszeit plus Sicherheitsbestand, mit demselben Rechenbeispiel.
- LagerumschlagshäufigkeitWie oft sich der Bestand im Jahr umschlägt, und warum ein zu knapper Puffer diese Zahl schöner macht, als sie ist.
- Safety stock (auf Englisch)Der englische Glossareintrag, mit der Faustregel in Tagen Reichweite.
- Lead time (auf Englisch)Die Wiederbeschaffungszeit: von der Bestellung bis zum Wareneingang.
- Stockout (auf Englisch)Die Fehlmenge, die ein Sicherheitsbestand verhindern soll.
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